so das Thema einer Veranstaltung des VCD Landesverbandes Niedersachsen e. V., die am 14.02. 2026 in Hannover stattfand.

Zwei Vorstandsmitglieder des Vereins Aurich ran an die Bahn nahmen an dieser Veranstaltung teil. Neben Fachvorträgen, die das Thema Reaktivierung aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchteten, boten Diskussionskreise sehr gute Möglichkeiten zum Meinungs- und Informationsaustausch. Gute Chancen zur Reaktivierung der Strecke Aurich – Abelitz sind aus Sicht des Lenkungskreises zur Bahnstreckenreaktivierung in Niedersachsen gegeben.

Auch in der Region findet die Streckenreaktivierung immer mehr Zuspruch, sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik. In der Gemeinde Südbrookmerland gibt es hingegen deutliche Gegenstimmen. Drei Vorstandsmitglieder unseres Vereins waren Teilnehmer einer öffentlichen Veranstaltung in Moordorf, zu der südbrookmerländer Bahngegner geladen hatten. Die politischen Entscheidungsträger der Gemeinde sprachen sich gegen die Bahnpläne aus und einige schlossen sich der während der Veranstaltung ins Leben gerufenen Bürgerinitiative gegen den Schienenpersonenverkehr an.

Die in Südbrookmerland lebenden Bahnbefürworter schienen mit ihren Wortmeldungen sehr unerwünscht zu sein auf dieser Veranstaltung, ihre Wortbeträge wurden begleitet mit lautstarken Zwischenrufen und dem Versuch einem Südbrookmerländer Eisenbahnbefürworter das Mikrophon aus der Hand zu reissen. Auch zeigte sich, dass wohl vornehmlich die ältere Generation dem Schienenpersonenverkehr skeptisch gegenüber steht. Beiden Wortbeiträgen von den wenigen jüngeren Veranstaltungsteilnehmern war zu entnehmen, dass die Wiederaufnahme des Schienenpersonenverkehrs auch von Bürgern aus Südbrookmerland befürwortet wird. 

„Das Bahnprojekt Aurich – Abelitz und die Sorgen der Moordorfer“, so der Titel eines Videos von Ostfriesen.tv, in dem das Für und Wider der Reaktivierung sehr objektiv erläutert wird. 

Am 26.02.2026 beschloss der Auricher Stadtrat mit großer Mehrheit eine Resolution für die Reaktivierung des Schienenpersonenverkehrs auf der Strecke Aurich- Zentralklinik Emden, gemäß Beschlussvorlage vom 05.02.2026. Ratsmitglieder aller Fraktionen stimmten für die Resolution, zwei Gegenstimmen gab es lediglich von der FDP. Die Machbarkeitsstudie des Landkreises Aurich wurde kritisch gesehen und klargestellt, dass es sich hierbei nicht um die konkrete Planung handelt. Deutlich wurde auch, dass im Zusammenhang mit der Eröffnung des Zentralkrankenhauses in Südbrookmerland die Anbindung Nordens mit zu berücksichtigen sei.

Ein höchst kurios erscheinender Vorschlag wurde von den FDP-Kreistagsabgeordneten Uwe Harms (Südbrookmerland) und FDP-Landratskandidat Helmut Emkes (Großefehn) eingebracht: sie plädierten für den Bau einer „urbanen Seilbahn“

Folgende Stellungnahme des Vereins „Aurich – ran an die Bahn e.V.“ zur öffentlichen Diskussion in Moordorf, Südbrookmerland und in den Medien wurde den Kreistagsmitgliedern am 04.03.2026 zugesandt:

Sehr geehrtes Mitglied des Kreistages Aurich,

in Kürze werden Sie im Kreistag über einen bedeutenden Teil der Infrastruktur im Landkreis Aurich entscheiden: über die Reaktivierung der Bahnverbindung zwischen Aurich und Emden für den Personenverkehr.

Es handelt sich dabei um eine gewidmete Bahnstrecke, die derzeit vom Güterverkehr genutzt wird. Eine Stilllegung steht nicht zur Debatte – Güterzüge werden auch künftig verkehren. Gegenstand der Entscheidung ist ausschließlich die Wiederaufnahme der Personenbeförderung.

Die Bezeichnung des Vorhabens als „Neueinrichtung“ (so der Ortsvorsteher aus Moordorf) ist aus unserer Sicht falsch. Frühere Personenverkehre mit sehr geringer Taktung und niedriger Geschwindigkeit haben sich entwickelt.  Deshalb werden die Anforderungen an Mobilität, Lebensqualität und regionale Entwicklung reaktiviert durch neue Rahmenbedingungen.

Zuständigkeit und Zielsetzung

Kritische Stimmen führen unter anderem an, dass Reisende über Leer schneller an Fernverbindungen angebunden werden könnten – etwa durch eine Neubaustrecke. Dabei wird jedoch außer Acht gelassen, dass es sich hier bei dieser Maßnahme um eine Angelegenheit des öffentlichen Nahverkehrs handelt. Zuständig für Planung, Ausbau und Nutzung sind das Land Niedersachsen und der Landkreis Aurich. Fernverkehrsanbindungen fallen hingegen in die Verantwortung des Bundes und der Deutschen Bahn. Maßnahmen auf der Strecke Emden–Norden sind nicht Gegenstand dieses Projekts.

Entscheidungsgrundlage

Es liegen zwei Gutachten mit unterschiedlichen Vorschlägen vor. Eine abschließende Beschlusslage existiert nicht. Ihre Aufgabe im Rahmen des Nahverkehrsplans besteht darin, zu entscheiden, in welcher Form und mit welchen Anpassungen die Vorschläge umgesetzt werden sollen. Hierzu bestehen berechtigte Diskussionspunkte:

1. Schallschutz
Das Gutachten sieht differenzierte Schallschutzmaßnahmen vor – mit variierenden Höhen und Standorten. Es ist unzutreffend, dass entlang der gesamten Strecke durch Moordorf durchgehend drei Meter hohe Schallschutzwände geplant seien.

2. Nutzerzahlen
Die prognostizierten 4.135 Fahrgäste beruhen auf anerkannten statistischen Berechnungen und stellen ein Potenzial dar. Selbst bei deutlich geringeren Nutzerzahlen – beispielsweise um 2.000 – würde das erforderliche Nutzen-Kosten-Verhältnis von über 1 erreicht. Die Behauptung, die Zahlen seien bewusst „geschönt“ worden, entbehrt somit einer belastbaren Grundlage.

3. Kosten und Finanzierung
Investitionskosten von rund 80 Millionen Euro erscheinen zunächst hoch. Dabei wird jedoch häufig verschwiegen, dass es sich um eine nahezu vollständige Förderung durch Bund und Land handelt. Fördermittel für Infrastruktur- und Reaktivierungsmaßnahmen sind zweckgebunden und können nicht beliebig in Schul- oder Straßensanierungen umgewidmet werden.
Sollte dieses Projekt im Landkreis Aurich nicht umgesetzt werden, würden andere Regionen in Niedersachsen die Mittel in Anspruch nehmen.

Auch die Befürchtung erheblicher Folgekosten für die Gemeinde Südbrookmerland wird durch das Landesgutachten nicht bestätigt. Prognosen über zusätzliche Belastungen in zweistelliger Millionenhöhe, die über eine erhöhte Kreisumlage eingezogen werden müssten, stehen so nicht im Gutachten.

Zur Frage der Notwendigkeit

Es wird behauptet, zahlreiche Bevölkerungsgruppen – Pendler, ältere Menschen, Jugendliche oder Arbeitnehmer großer Betriebe – würden die Bahn nicht nutzen. Erfahrungen aus vergleichbaren Regionen zeigen jedoch, dass attraktive Nahverkehrsangebote angenommen werden. Keine Infrastrukturmaßnahme kann 100 % der Bevölkerung gleichermaßen bedienen. Die Reaktivierung dieser Strecke kann jedoch ein erster, wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs in Ostfriesland sein.

Chancen für die Region

Das Projekt als reines Prestigevorhaben einzelner Amtsträger darzustellen, wird seiner Bedeutung nicht gerecht. Vielmehr bietet die Maßnahme Chancen für die gesamte Region – auch für Südbrookmerland:

  • wirtschaftliche Impulse
  • touristische Entwicklung
  • bessere Erreichbarkeit
  • Stärkung der Standortattraktivität
  • mobilitätsorientierte Zukunftsausrichtung

Mit der geplanten Zentralklinik auf Südbrookmerlander Gebiet wird die regionale Bedeutung weiterwachsen. Eine leistungsfähige Verkehrsanbindung unterstützt diese Entwicklung nachhaltig.

Mit diesem Schreiben werben wir dafür, dass Sie in der kommenden Kreistagssitzung der Reaktivierungsmaßnahme zustimmen.